17. August 2026 · 3 Min. Lesezeit
Wir sind unseren Eltern nichts schuldig
Dieser Satz gibt meinem Buch seinen Titel. Ich habe ihn bewusst so hart formuliert. Und ja – ich habe eine Weile gezögert. Ist er nicht ZU krass? Kann man das wirklich so sagen? Werde ich dafür zerrissen? Dann habe ich mit Freunden über den Inhalt des Buchs gesprochen. Und die meisten haben gesagt: Nimm den harten Titel. Der muss sein.
Warum das unsichtbare Konto so schwer zu tilgen ist
Warum? Viel zu viele von uns tragen dieses unsichtbare Konto mit sich herum: Was habe ich bekommen, was schulde ich dafür zurück? Diese Rechnung läuft meistens überhaupt nicht bewusst. Aber sie meldet sich in Form eines blöden Gefühls oder eines schlechten Gewissens, sobald Deine Mutter am Telefon traurig klingt, sobald Dein Vater diese eine Bemerkung fallen lässt, oder wenn Du an einem Sonntag zum Pflichtbesuch fährst, obwohl Du eigentlich keine Lust hast.
Elternschaft ist keine Vorleistung
Ich widerspreche damit bewusst einer weitverbreiteten Auffassung, auch innerhalb meines eigenen Berufsstands, dem der Psychologen: Kinder sollen sich um ihre Eltern kümmern, schließlich waren die Eltern doch auch für sie da. Klingt logisch. Ist es aber nicht. Denn Elternschaft ist keine Vorleistung, für die später eine Gegenleistung fällig wird. Wer sich für ein Kind entscheidet, entscheidet sich für eine Aufgabe – nicht für eine Investition mit Rendite.
Der Unterschied zwischen Müssen und Dürfen
Das bedeutet nicht, dass Du Deine Eltern nicht lieben, nicht besuchen, ihnen nichts schenken darfst. Du darfst das alles. Aber Du musst nicht. Der Unterschied zwischen Müssen und Dürfen ist der Unterschied zwischen einer Beziehung, die Dich belastet oder erstickt, und einer, die Du frei wählst. Solange Du glaubst, etwas zurückzahlen zu müssen, ist jede Geste, jeder Besuch, jedes Telefonat mit einer leisen Schuld verknüpft. Sobald Du verstehst, dass Du nichts schuldest, wird aus derselben Geste plötzlich ein Geschenk. Freiwillig gegeben, fühlt es sich völlig anders an als abbezahlt.
Das ist der erste und wichtigste Gedanke meines Buches und dieses Blogs: Nicht, weil er Eltern entwertet. Sondern weil er Dir die Freiheit zurückgibt, selbst zu entscheiden, was Du gibst – und was nicht.
→ Kennst Du dieses schlechte Gewissen aus Deinem eigenen Familienalltag?
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